Logo Sekwila Logo Mosaik
Titelbild
Adventsanlass 18
19 Nov 2018

   

weiterlesen
Herbstwanderung 18
19 Nov 2018

Geradewegs auf Gratwanderungen am Rande des Zürch [ ... ]

weiterlesen
Kurswoche Herbst 18
19 Nov 2018

Kurswoche im Herbst, oder was?   Normalerweise  [ ... ]

weiterlesen
Other Articles

Warum Altersdurchmischung

 

Seit nun über sieben Jahren sind wir eine Sekundarschule mit bis zu 50 Prozent altersdurchmischter Unterrichtsform. Seit über sieben Jahren werden wir regelmässig von anderen Schulen besucht, welche unser System sehen und unsere Erfahrungen kennen lernen wollen. Seit über sieben Jahren werden wir regelmässig gefragt, warum wir die Altersdurchmischung wollen?

Nun möchte ich an dieser Stelle auflisten, was aus meiner siebenjährigen Erfahrung die Altersdurchmischung einer Schülerin bzw. einem Schüler an Erfahrung und Entwicklung bringen kann.

 

1. Für die Kinder und Jugendlichen in einer altersdurchmischten Klasse gibt es keine Norm, wie jemand sein muss. Es ist für sie normal ihre Unterschiedlichkeiten als berechtigt zu erachten. Jede Schülerin und jeder Schüler kann erkennen, dass jede Person je nach Alter, Entwicklung und Leistungsstand individuelle und oftmals andere Bedürfnisse hat und kann diese nach und nach akzeptieren und mit diesen umzugehen lernen.

 

2. Die Schülerinnen und Schüler können sich selbst ihrer Stärke nach einbringen oder von der Lehrperson eingesetzt werden. In gewissen Situationen wie im individualisierten Unterricht geht es nicht ohne die Hilfe der älteren Schülerinnen und Schüler. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass sich eine Lehrperson auf diese verlassen können muss. Die Älteren sind gefragt. Ihre Fähigkeiten und ihr Wissen sind gefragt. So erleben sie sich in ihrem Handeln als wert- und sinnvoll.

 

3. Dass die Grossen den Kleinen helfen, ist eine Win-win-Situation für beide Seiten. Meine Erfahrung zeigt, dass einerseits lernschwache Schülerinnen und Schüler vom Aufbau eines klasseninternen Helfersystems profitieren. Anderseits erhöht das den Schülerinnen und Schülern eingeräumte Privileg anderen zu helfen, die eigene fachliche Kompetenz, das eigene Lernbedürfnis und die Identifikation mit schulischen Aufgaben.

 

4. Die Unterschiede im Wissen oder im Können unter den Schülerinnen und Schülern einer altersdurchmischten Klasse können das Verständnis für den Anderen fördern. Um die Mitschülerin bzw. den Mitschüler zu verstehen, sind alle gezwungen ihre Position zu verlassen. Verstehen bedeutet, dem Anderen entgegen zu kommen, sich in ihn hineinzuversetzen und den Unterschied zu überbrücken. So kann sich unter den Schülerinnen und Schülern ein gegenseitiges Verständnis für Fehler, Unzulänglichkeit und Schwächen entwickeln.

 

5. Der Mix von Gross und Klein in einer altersdurchmischten Klasse verhindert die typischen Jahrgangsklassenstimmungen wie z. B. die Schulmüdigkeit der Drittklässler. Die Lebendigkeit der Schülerinnen und Schüler der 1. Sek und der auf die Lehrstelle gerichtete Fokus der 2. Sek beeinflussen die Drittklässlerinnen und -klässler positiv. Diese wiederum haben sich in den letzten Jahren bis kurz vor den Sommerferien ins Klassengeschehen einbinden lassen. Ihr Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Jüngeren hielt ihre Motivation lange hoch.

 

6. Die intensive Begegnung der Kleinen mit den Grossen zeigt Wirkungen. Im geschützten Rahmen der Klasse begegnen sich die jüngeren mit den älteren Schülerinnen und Schülern, was im Grossen und Ganzen zu einer Annäherung zwischen den Altersgruppen und somit im Schulhaus zu einer entspannten Atmosphäre unter den Jahrgängen führt. In Entspannung lernt es sich leichter.

 

7. Die Jüngeren erkennen, dass zwischen der Lehrperson und den Älteren bereits eine Beziehung vorhanden ist. Über diese bestehende Beziehung spielt die Autorität der Lehrperson bei den Älteren bereits und färbt natürlich auf die Jüngeren ab.

 

8. Die Jüngeren lernen sich in eine bestehende Gruppe anzupassen. Sie lernen bestehende Beziehungen, Regeln und Werte zu berücksichtigen. Sie finden heraus, wie viel sie als Neue einbringen können. Das ist ein sich regelmässig wiederholender Prozess im Leben.

 

9. Die alten werden die jungen Schülerinnen und Schüler mit oder ohne Lehrpersonen in die Regeln und Gepflogenheiten einführen. Es entsteht eine Tradition, die nicht nur von einer Lehrperson getragen wird. Die Identifikation der Schülerinnen und Schüler mit dem Schulhaus an der Sekwila ist entsprechend gross.

 

10. Die jüngeren Schülerinnen und Schüler werden auf ihre Zukunft vorbereitet, indem sie hautnah miterleben, in welchem Prozess wie z.B. den Berufswahlprozess sich die älteren Schülerinnen und Schüler befinden. So sehen sie automatisch, wann was auf sie zukommt.

 

11. Die Zusammensetzung der Klasse ändert sich jährlich, denn die Grossen gehen und die Kleinen kommen. Durch diese jährliche Verschiebung in der Stammklasse werden feste Positionen wie Klassenbester oder Schlusslicht aufgehoben.

 

12. Die Lehrperson kann eine nachhaltige Kultur aufbauen, denn die Klasse bleibt über Jahre bestehen. Die neuen übernehmen, was die alten Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrpersonen vorleben. Für den Erfolg einer nachhaltigen Integration ein entscheidender Umstand. 

 

13. Eine Individualisierung unter Gleichaltrigen ist schwierig zu gestalten, der Wissensvorsprung ist gering. Für eine Individualisierung benötigt es eine Altersdurchmischung. Die älteren können viele Fragen der jüngeren Schülerinnen und Schüler beantworten. Dank dem Support, den die Schülerinnen und Schüler der 3. Sek leisten, findet die Lehrperson Zeit auf einzelne Schülerinnen und Schüler intensiv einzugehen. Die Individualisierung ist Voraussetzung für den Lernerfolg des einzelnen Kindes.

 

Am Ende möchte ich festhalten, dass sich nicht jedes Kind durch die Altersdurchmischung im Sinne der Auflistung entsprechend entwickelt, aber entwickeln kann. Für mich sind diese Entwicklungen so wertvoll, weil sie den gesellschaftlichen Anforderungen an jungen Menschen entsprechen. Dabei geht es nicht einzig um die Lehre, sondern um das Leben in einer demokratischen, zwischen Tradition und Innovation balancierenden Gesellschaft.

 

Eric Albert 2016

 

Neuigkeiten
Adventsanlass 18
19 Nov 2018

   

weiterlesen
Herbstwanderung 18
19 Nov 2018

Geradewegs auf Gratwanderungen am Rande des Zürch [ ... ]

weiterlesen
Kurswoche Herbst 18
19 Nov 2018

Kurswoche im Herbst, oder was?   Normalerweise  [ ... ]

weiterlesen
Other Articles